Projekte

Kabinettschrank - Projekte der Werkstatt für Möbelbau und Restaurierung Ronald Schnabel in Apolda bei Jena

Kabinettschrank, Sachsen, Nussbaum, um 1730

(Zustand 2018)

Der Ka­bi­nettschrank wurde 1993 nach fest­ge­stell­ten Fur­nier-, Ober­flä­chen- und zahl­rei­chen Kon­struk­ti­ons­schä­den re­stau­riert. Die an­fal­len­den Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten ge­stal­te­ten sich sehr auf­wen­dig. Neben der fast flä­chen­de­cken­den Fur­nier­fes­ti­gung, der kon­struk­ti­ven In­stand­set­zung und Ver­lei­mung, konn­ten auch die teil­wei­se ver­lo­re­nen Fur­nier­flä­chen wie­der re­kon­stru­iert wer­den.

Nach einer Stand­ort­ver­än­de­rung des Mö­bels in 2009/ 10, kam es durch un­güns­ti­ge kli­ma­ti­sche Be­din­gun­gen wäh­rend der Heiz­pe­ri­oden zu Tro­cken­schä­den an Türen, Kor­pus und Ge­stell­tei­len.

Die obere Bild­zei­lezeigt links den Zu­stand nach der ers­ten Re­stau­rie­rung 1993 mit der noch stark an­ge­feu­er­ten Tex­tur der Höl­zer, nach der da­ma­li­gen Ober­flä­chen­be­hand­lung. Das rech­te Bild zeigt die re­stau­rier­ten Türen nach der ak­tu­el­len Re­stau­rie­rung 2018, mit einer nach ca. 25 Jah­ren deut­lich wei­che­ren Tex­tur (Al­te­rungs­fär­bung) und einer na­tür­lich ge­al­ter­ten Ober­flä­che. Der mitt­le­re Bild­teil zeigt einen Aus­schnitt der da­ma­li­gen Re­stau­rie­rungs­maß­nah­men und der un­te­re Bild­teil zeigt einen Teil der vor­ge­fun­de­nen Tro­cken­schä­den an dem Stol­len­ge­stell des Mö­bels.

Bei einer ers­ten Be­sich­ti­gung im Ok­to­ber 2011 wur­den stär­ke­re Ver­for­mun­gen der gro­ßen Schrank­tü­ren, lose Fur­nier­stel­len und Ab­lö­sungs­ten­den­zen von Pro­fil­tei­len und Auf­dop­pe­lun­gen fest­ge­stellt. Ein der Raum­si­tua­ti­on ent­spre­chen­der Luft­be­feuch­ter mit Hy­gro­s­tat wurde emp­foh­len und zu­sam­men mit einem zu­sätz­li­chen Haar­hy­gro­me­ter kurz­fris­tig auf­ge­stellt. Der obere Bild­teil zeigt Aus­schnit­te aus den ak­tu­el­len Re­stau­rie­rungs­ar­bei­ten, die Ende 2018 durch­ge­führt wur­den.

Der Ka­bi­nettschrank weist im Mit­tel­fach auf vier Sei­ten, in Ma­ser­holz­flä­chen ein­ge­las­se­ne Blu­menmar­ke­te­rien, mit teils grün ein­ge­färb­ten Höl­zern auf. Die Tür des Mit­tel­fachs zeigt auf bei­den Sei­ten eine je­weils iden­ti­sche Figur mit Brand­schat­tie­run­gen und die Rück­wand des Schran­kes eine Har­le­kin­fi­gur. Alle Mar­ke­te­rie-Bil­der sind mit Band­ein­la­gen aus fein ge­ma­ser­ten Oli­ven­holz ge­rahmt.

Die Rück­wand des Mit­tel­fachs lässt sich nach rechts ver­schie­ben und gibt ein Ge­heim­fach mit achtzehn Mi­nia­tur­schub­käs­ten aus Ei­chen­holz frei. Die Tür- und Kor­pu­sin­nen­flä­chen sind mit Band­werk aus Zwetsch­gen­holz in Hell- und Dun­kel­fre­quen­zen, die durch den Wech­sel von Splint- und Kern­hol­zan­tei­len ent­ste­hen, die Schub­kas­ten­fron­ten mit sich teil­wei­se kreu­zen­den Band­ein­la­gen aus Oli­ven­holz, ver­ziert. Die Frie­se und Fül­lun­gen der In­nen­flä­chen wur­den im Wech­sel mit dunk­len Nuss­baum­ma­ser­holz und hel­lem Nuss­baum­splint­holz er­zeugt.
Die durch Brand­schat­tie­run­gen plas­tisch ge­zeich­ne­ten Mar­ke­te­ri­en und be­son­ders die Har­le­kin­fi­gur, zei­gen in ihren fast flie­ßend an­mu­ten­den Be­we­gun­gen, eine bein­dru­cken­de, meis­ter­lich und sou­ve­rän aus­ge­führ­te Kunst­fer­tig­keit.

Der Ka­bi­nettschrank be­fin­det sich trotz der vor­ste­hend be­schrie­be­nen Tro­cken­schä­den in einem au­ßer­or­dent­lich gutem Er­hal­tungs­zu­stand. Die fest­ge­stell­ten Fur­nier-und Ober­flä­chen­schä­den wur­den, um  Sub­stanz­ver­lus­ten und Fol­ge­schä­den vor­zu­beu­gen, be­hut­sam und sorg­fäl­tig re­stau­riert. Durch fo­to­che­mi­sche Re­ak­tio­nen ver­ur­sach­te Farb­ver­än­de­run­gen konn­ten re­ge­ne­riert und De­fi­zi­te durch schwer lau­fen­de bzw. klem­men­de Schü­be und Türen, sind durch kon­struk­ti­ve Maß­nah­men be­ho­ben wor­den. Von kon­struk­ti­ven Ein­grif­fen bzgl. der Ver­for­mung der Türen wurde ab­ge­ra­ten.

Durch eine vor­sich­ti­ge, ge­ziel­te, gas­för­mi­ge Be­feuch­tung, unter Hilfe von z.B.Gore-Tex Mem­bra­nen, mit einer an­schlie­ßen­der län­ge­ren Trock­nung unter Druck, bzw. groß­flä­chi­gen Fur­nier­ab­nah­men mit an­schlie­ßen­dem Span­nungs­aus­gleich der Blind­holz­flä­chen, kön­nen Ver­for­mun­gen teil­wei­se wie­der aus­ge­gli­chen wer­den. Sol­che Maß­nah­men be­deu­ten aber einen er­heb­li­chen und ris­kan­ten Ein­griff in die­ his­to­ri­sche Sub­stanz und soll­ten nur nach sorg­fäl­ti­gem Be­fund, über­legt un­d­ tech­no­lo­gisch nach­voll­zieh­bar ein­ge­setzt wer­den. Bei der ers­ten Re­stau­rie­rung im Jahre 1993 wur­den an den in ihrer Sub­stanz stark­ge­schä­dig­ten fur­nier­ten Rück­wand­flä­chen, Fur­nier­ab­nah­men und Re­kon­struk­tio­nen­ vor­ge­nom­men. Die Be­sit­zer er­war­te­ten die Er­hal­tung eines be­nutz­ba­ren Ob­jekts in einem äs­the­tisch be­frie­di­gen­dem Zu­stand. Eine Auf­stel­lung im ­frag­men­ta­ri­schen Zu­stand, wie sie z. B. unter pri­mär do­ku­men­tie­ren­den­ Mu­se­ums­be­din­gun­g­en mög­lich wäre, kam des­halb nicht in Frage.